Oriens Extremus
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Viktória ESCHBACH-SZABÓ, Hans-Alexander KNEIDER: Siebold-Bibliographie. Schriften über Philipp Franz von Siebold, 1824-1984.
Wiesbaden: Otto Harrassowitz 1986. XVI, 216 S. (Veröffentlichungen des Ostasien-Instituts der Ruhr-Universität Bochum.33: Acta Sieboldiana.2.)

Mit dem vorliegenden Band haben uns die beiden Bearbeiter der Sieboldforschung ein handliches bibliographisches Hilfsmittel geschenkt. Zwar war ein großer Teil der Sieboldliteratur relativ leicht zugänglich - erinnert sei an W. Dettelbacher: Verzeichnis der Schriften von und über Ph. Fr. v. Siebold. (Würzburg 1961), Körners monumentale Würzburger Siebold (Leipzig 1967), die Kaempfer-Siebold-Gedenkschrift der OAG (Tôkyô 1966), die Arbeiten von Friedrich Maximilian Trautz und Eberhard Friese - doch hatte man leicht das Gefühl, allzu Wichtiges übersehen zu haben. Das vorliegende Werk besteht aus zwei Teilen: Der erste, bearbeitet von Kneider, verzeichnet das europäischsprachige Material, der zweite, zusammengestellt von Eschbach-Szabó, das japanisch- und koreanischsprachige, insgesamt 933 + 740 Nummern, die durch ein Sachregister erschlossen sind. Die Bibliographie macht den Eindruck größtmöglicher Vollständigkeit und sorgfältiger Bearbeitung; sie wird jedem Siebold-Forscher ein nützlicher Leitfaden sein.

Das Buch hat ein paar kleine Schönheitsfehler: Bei Monographien sind keine Seitenzahlen angegeben, so daß der Umfang nicht zu erkennen ist - nehmen wir Kures große Sieboldbiographie - die in der zweiten Ausgabe von 1926 nicht weniger als 12, 32, 925, 76, 26, 12, 493, 31 Seiten hat (vgl. II, 270); demgegenüber ist die erste Ausgabe von 1896 sehr schmalbrüstig zu nennen. Das sind für den Nutzer einer Bibliographie doch außerordentlich wichtige Kriterien - denn aus etwa 1800 Titeln wird man nur eine Auswahl ziehen können. Auch ist nicht zu entnehmen, wo in einem Werke etwas über Siebold zu finden ist. Etwa Nr I, 102: Emil Bretschneider: History of European botanical discoveries in China. London [vielmehr: St. Petersburg] 1898. Im Index dieses Werkes ist Siebold nicht genannt, er hat keinen eigenen Artikel, was nicht verwundert, da hier ja China behandelt wird. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Siebold irgendwo im Text erwähnt wird - jedenfalls kommt er in Pflanzennamen vor ''Sieb. et Zucc.". Lohnt es sich da zu suchen? Nehmen wir I, 115: Bulic: Ocerk istorii jazykoznanija v Rossii (St. Petersburg 1904). Hat Siebold in der Geschichte der russischen Sprachwissenschaft eine Rolle gespielt? Eine interessante Frage. Stünde bei der bibliographischen Angabe z.B. ''S. 104-106" oder ''120-143", wäre die Entscheidung leichter, ob es sich lohnt, das Buch heranzuziehen. Darüber hinaus fehlt auch die sparsamste Annnotation. Ohne eine Bibliographie raisonnée oder annotée fordern zu wollen, wären ganz kleine Hinweise doch zu wünschen. Eine Menge von Titeln sind so allgemein - oder so speziell, daß man sich unwillkürlich fragt: Findet sich dort Zweckdienliches zum Thema Siebold? Nehmen wir I, 342: Imai Tadashi: Engelbert Kaempfer und seine Quellen. Eine Arbeit von nicht zwanzig Seiten mit dem Untertitel: Literatur und sonstige Informationen, die Kaempfer für sein Japan-Buch zur Ergänzung seiner Beobachtungen benutzte. Ich habe den Beitrag durchgesehen, aber nichts auf Siebold Bezügliches gefunden, mit Ausnahme der Tatsache, daß einmal der Name in einer Aufzählung von Personen erscheint, die Kaempfers Werk benutzt haben. Diese Beispiele könnten vervielfacht werden: I, 578: Natori, Younosuke: Groß-Japan. Dai Nippon (2. Aufl. Starnberg 1942) Der Name Siebold wird sicherlich genannt, aber ist es mehr als das? Warum wird die wenige Jahre früher erschienene 1. Ausgabe nicht genannt? Ist Siebold darin nicht erwähnt? - I, 579: Moritz Naumann: Chronik des Bonner Freundeskränzchens. Den Mitgliedern des Kränzchens zum 25jährigen Jubiläum gewidmet. Bonn 1868. Wo liegt hier der Wert für die Sieboldforschung? Kleine Hinweise könnten hier dem Benutzer der Bibliographie viel Arbeit und Mühe sparen. Dasselbe gilt für so schöne Titel wie I, 129: Cjan-Cju-Vyn. Sin-cu-ci-lin-giok-ben im Journal des (russischen) Ministeriums für Volksbildung 1837. Nur wer sich mit Siebolds sprachforscherischen Aktivitäten befaßt hat, wird hier sofort das 1. und 3. Buch von Siebolds Bibliotheca japonica in russischer Transkription erkennen. - Wäre es nicht sinnvoller, Rezensionen bei den Werken zu vermerken statt ihnen eigene Eintragungen zu geben? So erscheint I, 886 eine halbseitige Besprechung der Acta Sieboldiana I, das Werk selbst unter I, 148. Eine Zusammenführung würde überdies noch Platz sparen.

Manche Eintragungen erscheinen - unbeabsichtigt? - doppelt, aber in verschiedener Ansetzungsform, was bei der Beschaffung zu Schwierigkeiten führen dürfte. Etwa I, 363 Japaninstitut Berlin (comp.): Katalog der in deutschen Bibliotheken ... vorhandenen Japan betreffenden Druckwerke ... Berlin 1929. Einmal abgesehen davon, daß dies eine obsolete Vorarbeit zum Bibliographischen Alt-Japan-Katalog ist, erscheint der Titel noch einmal unter I, 730: Hertha von Schulz. Durch eine kleine Bemerkung zum Sachverhalt, könnte man den Sieboldforscher von zeitraubenden und unnützen Bemühungen um diesen Katalog abhalten. Es findet sich unter I, 224 Herbert Franke (ed.): Orientalisches aus Münchener Bibliotheken und Sammlungen (Wiesb. 1957), daneben aber auch der Beitrag, um den es hier eigentlich geht, nämlich I, 263: Roger Goepper: Das Staatliche Museum für Völkerkunde in München und seine asiatischen Sammlungen. In: Franke [ ... ], pp. 61-76. Eine solche Doppelung ist sicherlich vergleichsweise harmlos.

Fehler wurden nur erfreulich wenige bemerkt: I, 255 Genus, Arnim dürfte wohl Armin Geus sein, I, 910 Yabuti, Kiyosi eher Yabuuti [Yabuuchi]. S. 19, 3. Z. sollte es heißen: Otecestvennye zapiski.

An Ergänzungen fallen mir im Moment nur ein: Harley Harris Bartlett, Hide Shohara: Japanese botany during the period of wood-block printing. Los Angeles 1961, spez. S. 8-11; Alice M. Goats: The plant hunters. New York 1969, spez. 66-72.

Hartmut Walravens, Berlin



Latest update: 2005-08-18  Impressum

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