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| www.oriens-extremus.de > OE 34 > Rezensionen |
Eva KRAFT: Japanische Handschriften und traditionelle Drucke aus der Zeit vor 1868 in Bonn: Japanologisches Seminar der Universität, Bremen: Kunsthalle, Übersee-Museum, Hamburg: Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, Hamburgisches Museum für Völkerkunde; Köln: Museum für Ostasiatische Kunst.
Stuttgart: Franz Steiner 1988. XXIII, 341 S. gr. 8° (Verzeichnis der orientalischen Handschriften in Deutschland.27,3.)
Wie schon im ersten, den Berliner Beständen gewidmeten Band ihres Katalogs beschreibt Eva Kraft auch im zweiten Band präzise und nach den bewährten Kategorien und Prinzipien einen umfangreichen Japonica-Bestand - diesmal den der Münchener Bibliotheken und Museen. 587 Nummern sind es, die in alphabetischer Titelanordnung vorgestellt und durch umfangreiche Indizes aufgeschlüsselt werden. Die Bibliographie der zitierten Werke ist bedeutend umfangreicher geworden; außerdem bieten 18 Abbildungen auf Tafeln (mehrere farbig!) Illustrationsproben. In der Einleitung werden die Sammlungen kurz vorgestellt. Die Staatsbibliothek besitzt mit 235 Werken den größten Anteil; weniges besitzen das Deutsche Museum (9 Titel), das Puppentheatermuseum (39) und die Universitätsbibliothek (44), während das Völkerkundemuseum mit 262 Titeln, großenteils aus dem Besitz von Philipp Franz von Siebold, eine beachtliche Anzahl alter Japonica sein eigen nennt.
Hier nur ein paar Anmerkungen zu einzelnen Eintragungen:
157: Benjamin Hobson: Hakubutsu shinpen. Das ursprünglich in Canton im Umfang von 132 Bl. erschienene Werk wurde nach Wylie in Japan als Serie neu herausgegeben, und zwar mit Hobsons Ch'üan-t'i hsin-lun (Physiologie), Hsi-i lüeh-lun (Westliche Medizin), Nei-k'o hsin-shuo (Innere Medizin) und Fu-ying hsin-shuo (Frauen- und Kinderheilkunde). Da letzterer Titel chinesisch erst 1858 erschien, Wylies Buch dagegen 1867, ist also der Zeitraum 1858-1866 für das Erscheinen der japanischen Ausgabe anzusetzen. Hobsons schriftlicher Nachlaß befindet sich übrigens im Wellcome Institute for the History of Medicine.
247: Das Kai beschreibt 200 Pflanzen; die Illustrationen sind nicht von besonders hohem Niveau. Eine Übersetzung lieferte L. Savatier 1873: Livres Kwa-wi traduits du japonais avec l'aide de M. Saba. 155 S. Ono Ranzan, einer der beiden Verfasser, wurde von Siebold übrigens als der Linné Japans bezeichnet.
254: Kamiyo no masagoto. Dieser Kojiki-Kommentar hat insofern für die europäische Japankenntnis eine Bedeutung, als August Pfizmaier ihn in seinem Beitrag zur Kenntnis der ältesten japanischen Poesie ( Sitzungsberichte, phil.-hist. Kl., Akad. d. Wiss. Wien. 3.1849,315-319,386-406) behandelt und großenteils übersetzt hat (Die ergänzte japanische Sage (Denkschriften [ ... ]) Wien. 14.1865,75-152; 15.1867,1-72).
307: Kokon chomonjû. Vgl. Hans Eckardt: Das Kokonchomonshû des Tachibana Narisue als musikgeschichtliche Quelle. Wiesbaden: Harrassowitz 1956. 357: Miyako meisho zue. Rose Hempel hat dieses Werk im Jahrbuch der Hamburger Kunstsammlungen 8.1963,109 (2 Abb.) sowie 130-132 beschrieben.
387: Nagakubo Sekisui: Nihon yochi rotei zenzu. Die erste japanische Karte von Japan mit Längen- und Breitengraden. Sekisui machte selbst keine Landesaufnahme, sondern hielt sich an ältere Quellen. Die Breiten beruhen wohl auf Messungen des Astronomen Shibukawa Shunkai, aber für die Längengrade gab es keine verläßlichen Daten; insofern wurden sie hier zur Bildung eines Gradnetzes eingezogen.
424: Sangoku tsûran zusetsu. Dieses wichtige Werk von Hayashi Shihei liefert ausführliche Nachrichten über Korea und ist daher bereits von Julius Klaproth der gelehrten Welt Europas zugänglich gemacht worden: San kokf tsou ran to sets, ou Aperç général des trois royaumes, traduit de l'original japonais-chinois de Rin Sifée, par M.J. Klaproth. Paris: J. Murray 1832. VII, 288 S. gr. 8° Dazu 7 Taf. 4° (Oriental Translation Fund)
493: Sômoku zusetsu zenpen. Das Werk gibt die japanischen und chinesischen, oft auch Linnés oder populäre holländische Namen der Pflanzen an. Der Verfasser Iinuma war ein Schüler Ono Ranzans. Er war auch von Siebold beeinflußt, aber wohl nicht eigentlich einer seiner Schüler. Kure Shûzô nennt ihn jedenfalls nicht als solchen in seinem monumentalen Shî boruto sensei (1926). - Das Werk stammt aus dem Jahre 1832. In der 2. Ausgabe sind die lateinischen Namen übrigens von Savatier bearbeitet. Vgl. Savatier/Franchet: Enumeratio plantarum in Japonia sponte crescentium. 2 Bde. 1875, 1879. Vgl. Bretschneider: Botanicon sinicum.1.1882, 101.
553: Wamyô ruijûshô. Auch dieses Sachlexikon hat für die frühe europäische Japanologie Bedeutung. A. Pfizmaier hat Kap. 6-9 ausgewertet in Über japanische geographische Namen (Sitzungsberichte, phil.-hist. Kl., der Akad. d. Wiss. Wien 80.1875, 769-846; 82.1876, 7-70), mit einem Anhang über japanische Ämter (aus Kap. 5).
Band 3, der soeben erschienen ist, umfaßt nicht weniger als 809 Nummern aus den im Titel erwähnten Sammlungen, von denen die im Bonner Seminar (232 Titel) auf den Japanologen F. M. Trautz[1] zurückgeht, während die im Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe (358 Titel) Zeugnis für die starken japanischen Interessen von Justus Brinckmann ablegt. 18 Abbildungen auf Tafeln, auch hier mehrere farbig, geben einen Eindruck von einigen der interessantesten Stücke. Bei einer ersten Durchsicht fällt die große Anzahl von Kibyôshi auf, von denen die meisten übrigens in den bisherigen deutschen Arbeiten zum Thema von Martin Ramming[2], Wolfgang Schamoni[3] und Walter Giesen[4] nicht erwähnt sind. Nur einige der Bashô-Titel sind von Trautz in seinem Beitrag Eine Natur- und Landschaftsschilderung aus der Zeit Engelbert Kaempfers[5] genannt; dies läßt die Vermutung zu, daß er die anderen beschriebenen Stücke wohl erst in den dreißiger Jahren erworben hat, als er Leiter des Deutschen Forschungsinstituts in Kyôto war. Etwas ungewohnt ist die konsequente Schreibung Göpper für Goepper.
Frau Kraft hat sich auch mit diesen Bänden wieder große Verdienste erworben, die jeder besonders zu schätzen weiß, der sich mit älteren Japonica beschäftigt hat. Das "bloße Sammeln von Daten" ist in Wirklichkeit doch eine Aufgabe, die viel Erfahrung, Wissen und Sorgfalt verlangt. Ein Meilenstein der Japanologie, dem hoffentlich weitere folgen mögen!
Hartmut Walravens, Berlin
Fußnoten
[1] Vgl. H. Walravens: Friedrich Maximilian Trautz (1877-1952). BJOAF. 1980, 286-311. Die irrtümliche Angabe "1954" im Original ist ein Zusatz der Redaktion.
[2] Literarhistorische Bemerkungen über die Kibyôshi der Tokugawa-Zeit. Jubiläumsband der OAG. 1. Tôkyô 1933, 92-102.
[3] Die Sharebon Santô Kyôdens und ihre literaturgeschichtliche Stellung. Diss. Bonn 1970.
[4] Kommunikative und kommunizierende Literatur in Japan: Das Verhältnis des Sprachwerks zu den visuellen und sonoren Nachbarkünsten. Teil 1: Materialien,. Folge 1: Kibyôshi der Edo-Zeit. BJOAF. 5.1982, 1-145.
[5] Jubiläumsband der OAG.1. 1933, 207-245 + Taf.
Latest update: 2005-08-18 Impressum