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| www.oriens-extremus.de > OE 34 > Rezensionen |
Eva Krafts Japonica-Kataloge erscheinen in rascher Folge und legen Zeugnis für das Engagement und den Kenntnisreichtum der Autorin ab. Der vorliegende Band enthält nur Bestände der Fakultät für Ostasienwissenschaften der Ruhruniversität Bochum (früher Ostasieninstitut). In einer kurzen Einleitung gibt Bruno Lewin einen knappen Überblick über die Entwicklung des Buchdrucks in Japan und dann einen Abriß der Geschichte der Sammlung, die Teile der Bibliothek des ehemaligen Japan-Instituts umfaßt und durch Käufe aus Privatbibliotheken (Karow, Ramming) angereichert wurde. Die Durchsicht des Katalogs läßt einige Schwerpunkte und Interessengebiete des Japan-Instituts erkennen, wie Ausgaben klassischer Literaturwerke und Theatertexte. Hier wird der Einfluß von Fritz Rumpf deutlich, der seine Dissertation (bei Otto Kümmel) über die Illustrationen des Ise monogatari schrieb (13 verschiedene Ausgaben sind in der Bochumer Sammlung erhalten) und dessen Begeisterung für das japanische Theater von seinem ersten Japanaufenthalt datiert.[1] Der Katalog selbst entspricht in Anlage, Aufbau und Qualität ganz den früher erschienenen Bänden und enthält auch die zahlreichen Register (mit Zeichen). Einige Bemerkungen und Einzelheiten:
18 - Das Chûzan denshinroku des Hsü Pao-kuang scheint (nach Hummel 809, nicht 889) eher das Tagebuch des Vizegesandten Hsü als des Gesandten Wang Chi zu sein. Andernfalls wäre Hsü nur Herausgeber gewesen. Das Buch, von dem das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe ebenfalls eine Ausgabe besitzt, galt jahrelang als eine der Hauptquellen für Ryûkyû; für die Mandjuristen ist es überdies dadurch interessant, daß es das mandjurische Siegel des Königs von Ryûkyû abbildet (reproduziert z.B. von B. Laufer in der ungarischen Ausgabe seiner Skizze der manjurischen Literatur), wodurch die formelle Akzeptanz der chinesischen Oberhoheit sinnfällig wird.
19 - Das Ta-tz'u-en-ssu san-tsang fa-shih chuan gilt allgemein als ein Werk des Hui-li (vgl. Fo-hsüeh ta-tz'u-tien, ed. Peking 1984, 213.2); auch Axel Held, der seine Dissertation über Yen-ts'ung geschrieben hat ( Der buddhistische Mönch Yen-ts'ung (557-610) und seine Übersetzungstheorie. Köln 1972), erwähnt dieses Werk nicht unter den Arbeiten Yen-ts'ungs. Hier wäre vielleicht eine Erläuterung sinnvoll.
64 - Eine erste Einführung in das Heike monogatari ist der Übersetzung von Hiroshi Kitagawa und Bruce T. Tsuchida: The tale of the Heike (Tôkyô 1975) beigegeben (von Edward Seidensticker; dazu Bibliographie, Chronologie, Karten).
77 - wäre wohl Fan-i ming-i-chi (statt Fan-shih) zu transkribieren.
78 - das Pen-ts'ao kang-mu wurde wohl eher "von" statt "unter" Li Shih-chen verfaßt.
89 - 101 Die Abbildungen mehrerer Ausgaben des Ise monogatari (9 aus dem 17. Jh.) sind reproduziert in Japanese woodcut book illustrations. Vol. 1; ed. by Walter L. Strauss and Carol Bronze. New York 1979, darunter die Ausgaben 1690 und 1696, die wohl mit Nr. 97 and 98 identisch sein dürften.
142 - K'ao-kung chi (statt Kao) 148 - In der Beschreibung muß es Lou Shou (statt Shao) heißen.
157 - Chiu-huang yeh-p'u. Es handelt sich hier um das Yeh-ts'ai p'u des Wang P'an (tzu: Hung-chien, hao: Hsi- lou), das in dieser Ausgabe offenbar auf dem Text beruht, der im Anhang zum Shih-wu pen-ts'ao des Ch'ien Yün-chih wiedergegeben ist - hier nämlich ist der Titel des Yeh-ts'ai p'u in Chiu-huang yeh-p'u geändert. Die von Frau Kraft gemachten Angaben erlauben nicht, die japanische Ausgabe eindeutig zu bestimmten: Die erste Ausgabe des Chiu-huang pen-ts'ao (das als 1. Teil das Chiu-huang yeh-p'u und pu-i enthält) erschien 1716 und wurde in Kyôto von Yoshinoya Gonbei gedruckt. Eine zweite Ausgabe ist fast identisch, wurde aber von der Firma Chôshôdô in Kyôto gedruckt und hat einen geringfügig kleineren Satzspiegel. Allem Anschein nach handelt es sich hier um eine dieser Ausgaben. Vgl. die Beschreibung in Annual Report of the Librarian of Congress 1935, 197ff.
159 - Wang-ping kui ch'un. Der hier angezeigte Nachdruck sowie mehrere erwähnte weitere Ausgaben zeigen, wie populär dieses medizinische Werk damals in Japan war. Aber auch in Deutschland: Das Kompendium des Kung T'ing-hsien existierte zur selben Zeit (in chinesischer Ausgabe) in der Bibliothek des Großen Kurfürsten in Berlin und in der Privatbibliothek seines Bibliothekars Andreas Müller, es gelangte in die Sammlung des Herzogs August von Wolfenbüttel und es diente als Schutzumschlag für chinesische Romanfragmente, die sich heute in der Stuttgarter Landesbibliothek befinden ...
166 - Ein Inhaltsverzeichnis des Miyako rinsen meishô zue findet sich in Jahrbuch der Hamburger Kunstsammlungen. 8.1963, 132-135.
221 - Zum Chien-teng [nicht tien] hsin-hua des Ch'ü Yu vgl. Herbert Franke: Eine Novellensammlung der frühen Ming- Zeit [ ... ]. ZDMG. 108.1958, 338-382.
Eva Kraft ist wieder ein großer Wurf gelungen, und wir dürfen uns auf den fünften Band freuen, der in Kürze erscheinen soll.
Hartmut Walravens, Berlin
Latest update: 2005-08-18 Impressum