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| www.oriens-extremus.de > OE 34 > Rezensionen |
Ein Katalog so beachtlicher Alt-China-Bestände wie sie in der "SOAS" vorliegen, ist sinnvoll und nützlich. Zwar ist das Material wohl zu 98% in Cordiers Bibliotheca sinica nachgewiesen, aber dort ohne Register oft schwer zu finden. Hier werden dagegen Namen-, Titel- und Sachregister gegeben. Die Autoren sind im deskriptiven Teil häufig - nach angelsächsischer Bibliothekstradition - mit Lebensdaten versehen, gleichfalls nützlich. Bibliographische Hinweise auf andere Bibliographien und Kataloge erhöhen den Wert des Bandes. Und der Hauptvorteil besteht sicherlich darin, in solider bibliographischer Form den Bestand einer bedeutenden Sammlung handlich vorgelegt zu bekommen. Kurz, ein rundum erfreuliches Buch, das durch John Lusts eigene, teilweise etwas eigenwillig formulierte Anmerkungen noch gewinnt. Es verwundert freilich, daß ein paar offensichtliche Merkwürdigkeiten bei der Korrektur dem Blick des erfahrenen Bibliographen entgangen sind, die eine Prise unfreiwilligen Humor beisteuern. So wird Nr. 827, Andreas Müllers Monumenti sinici [ ... ] lectio. [1672] identifiziert als "Jesuit hymns, taken from Kircher, China illustrata with score and a Latin translation." Dabei geht aus dem vollständigen, lateinischen Titel durchaus hervor, daß Müller Kirchers Idee einer Darstellung der chinesischen Töne in Notenschrift übernommen hatte und damit den von Kircher veröffentlichten Text der Nestorianischen Inschrift von 781 in Michael Boyms Fassung wiedergibt. Von Hymnen der Jesuiten kann leider keine Rede sein, so interessant es wäre, solche aus dieser Zeit in chinesischer Übersetzung und Vertonung zu besitzen. 1078, Leont'ev, Aleksei Leont'evich (1716-1786): Lettres sur la Littérature mandchou, traduites du russe de M. Afanasii Larionowitch Leontiew. 1815. Hier sagt Lust allen Ernstes: "Translated from the Russian by Klaproth. The letters contained a scathing attack on the Manchu dictionary of Pére Amiot, published with additions in [1789/]1790 by Langlés. [ ... ] cf. Klaproth, Grande exécution d'automne No. II. [ ... ] It is not clear whether the change in Leont'ev's Christian names was due to a lapse of memory on the part of Klaproth, or was intended as a partial camouflage for his (Klaproth's) own protection." Abgesehen davon, daß die meisten Nachschlagewerke inzwischen Klaproth als Verfasser erkannt haben, der das Pamphlet ja auch in seine eigene Werksammlung ( Mémoires relatifs à l'Asie) aufgenommen und sich so als Autor bekannt hat, wäre es schlicht unmöglich, daß Leont'ev, der 1786 starb, hier das 1789/90 publizierte Wörterbuch hätte angreifen können. Der Hinweis auf die Grande exécution geht etwas ins Leere, da es sich um dasselbe vorliegende Werk handelt, dem vielfach ein zweites Titelblatt vorgesetzt ist. Lust beschreibt diese Titelauflage unter Nr. 136, erkennt aber nicht die Identität beider Texte. Und wenn er dort einen Mandjuren zitiert ("Since, as a Manchu said, can the lynx be afraid of a rabbit?"), so ist dieser kein anderer als Klaproth selbst, der, in einem mandjurisch geschriebenen Brief an Langlés, diesen und seine Duellforderung verspottet. Diese humoristischen Einlagen tun aber diesem schönen Buch keinen Abbruch, das eine beachtliche bibliographische Leistung darstellt.
Hartmut Walravens, Berlin
Latest update: 2005-08-18 Impressum