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| www.oriens-extremus.de > OE 34 > Rezensionen |
Der Autor hat sich seit vielen Jahren mit der klassischen und vorklassischen chinesischen Sprache befaßt, insbesondere die Texte der Bronzeinschriften untersucht und eine Textsammlung, ein Wörterbuch und eine Grammatik erarbeitet. Im Zusammenhang mit diesen Forschungen steht das vorliegende Lehrbuch, das nicht versucht, Haenischs bekanntem Lehrgang der klassischen chinesischen Schriftsprache direkte Konkurrenz zu machen. Ungers Konzentration auf die Sprache des 5.-3. Jahrhunderts gerät zu einem lebhaften Plädoyer für diese "lebendige" im Gegensatz zu der späteren, daraus abgeleiteten Schriftsprache. Es besteht kein Zweifel, daß der Begriff "chinesische Schriftsprache" viele Unschärfen enthält und daß ein Lehrbuch für die Ausdrucksformen der chinesischen Sprache der letzten Jahrtausende nicht realistisch ist. Wie wir Wörterbücher und Grammatiken für einzelne historische Perioden brauchen, so ist es auch mit den Lehrbüchern.
Das zweibändige Werk enthält 100 Lektionen, von denen die ersten 75 bei 4 Wochenstunden in einem Jahr bewältigt werden sollten. Die übrigen 25 Lektionen dienen der Abrundung. Band 1 enthält die chinesischen Texte in sauberem (Schreibmaschinen-) Satz und ein Wortregister, das nach der Transliteration geordnet ist und neben den zugehörigen Zeichen und Hinweisen auf die Lektionen auch die mittelchinesischen Lautungen nach Karlgren enthält. Ein Zeichenindex befindet sich in dem inzwischen auch erschienen Glossar des klassischen Chinesisch. Die verwendete Transliteration bezeichnet der Ator als "gemäßigt historisierend" und ist bereits im wesentlichen von Haenischs Lehrgang bekannt: Sie enthält Hinweise auf die alten Anlaute (k, k', h bzw. ts, ts', s) und Auslaute. Die Einleitung des Bandes gibt Auskunft über die Anlage des Werkes, Transliteration, Phonetik, Schrift, die fan-ch'ieh-Methode und bringt eine Zeittafel. Außer dem genannten Wortregister befindet sich am Ende von Teil 1 noch ein Namensverzeichnis.
Der zweite Teil enthält die Erläuterungen zu den Lektionen mit jeweils Transliteration der Texte (mit Tonangaben in Exponentialposition), Vokabular und grammatischen Erläuterungen. Dabei fällt (im Vergleich zu Haenisch) besonders auf, daß der Verfasser grammatische Sachverhalte deutlich analysiert und erklärt, was dem Leser sehr zugute kommen wird. Das Studienmaterial ist überdies durch Abbildungen sowie zehn eingeschaltete Exkurse (z.B. über Homophone) aufgelockert. Das Inhaltsverzeichnis weist auf diese Exkurse und deren Themen hin sowie auch auf die grammatischen Einzelheiten, die in den ersten dreißig Lektionen behandelt werden. Eine Liste der Textstücke mit den (allerdings pauschalen) Herkunftsangaben sowie ein Verzeichnis der Abbildungen schließen die Übersichten ab.
Das aus langjähriger Lehrerfahrung des Autors entstandene Lehrbuch darf insgesamt als geglückt bezeichnet werden - es ist eine klare, übersichtliche und gut lesbare Darstellung, die für die klassische Sprache sehr zu empfehlen ist. Besondere Mühe hat der Autor auf die Herstellung der Druckvorlage verwendet, die mit der Maschine geschrieben ist und in die Zeichen und Abbildungen eingesetzt sind.
Hartmut Walravens, Berlin
Latest update: 2005-08-18 Impressum