Oriens Extremus
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Sad plenennych serdec. Klassiceskaja ljubovnaja proza Vostoka. [Hrsg.: V.I. BRAGINSKIJ.]
Moskva: Pravda 1989. 605 S. 8°

"Der Garten der bezauberten Herzen" heißt blumenreich diese Anthologie klassischer orientalischer Liebesgeschichten, die in einer Auflage von 300000 Stück auf den Markt gekommen ist. Gewiß, sie richtet sich an ein breites Publikum, ist aber nicht zu unterschätzen. R.V. Chalilov hat den Band hübsch gestaltet, Titel und Überschriften kalligraphisch im orientalischen Stil geschrieben, dazu auch die als Motti dienenden Einführungsgedichte (bei Ostasien von Kuan Han-ch'ing und T'ao Yüan-ming). Über die in einen Bogen eingeschlossenen farbigen Tafeln könnte man schon eher streiten, aber auch sie sind zumindest nicht schlecht. Der Herausgeber hat Anmerkungen beigesteuert, die dem unvorbereiteten Leser Einzelheiten erläutern. Das Material ist regional angeordnet. Im Bereich Ostasien finden sich folgende Texte: Po Hsing-chien: Das Leben der schönen Li, Yüan Chen: Das Leben der Ying-ying, Die Geschichte der Favoritin Mei [diese drei Erzählungen übersetzt von Ol'ga Fisman]. Die schöne Mo verrechnet sich (Üb. D. Voskresenskij; P'u Sung-ling: [5] Novellen (Übers. P. Ustin), Aus den Erzählungen über Yamato (L. Ermakova). Sei Shonagon: Aus dem Buche " Aufzeichnungen am Kopfende" (V. Markova), Murasaki Shikibu: Aus der " Erzählung vom prächtigen Prinzen Genji" (N. Konrad), Ihara Saikaku: Aus der Erzählung " Eine in der Liebesleidenschaft unvergleichliche Frau" (V. Markova). Quellenangaben zu Erstveröffentlichungen sind nicht angegeben. Soweit ich sehe, handelt es sich aber nicht einfach um Nachdrucke. Schauen wir uns die ersten drei Erzählungen an, so finden sie sich bereits in Fismans Tanskie novelly von 1955: Das Li-wa chuan als Nr. 12, das Ying-ying chuan als Nr. 16 [beide aus dem T'ai-p'ing kuang-chi], und das Mei-fei chuan eines unbekannten Autors [aus dem T'ang Sung ch'uan-chi von Lu Hsün, nicht nach den Originaltexten]. Auch in den Tanskie novelly von 1960 sind die drei Erzählungen vertreten, aber in leicht überarbeiteter Gestalt, und hier erscheint die dritte Erzählung mit der Autorenangabe Ts'ao O. Die Textfassung in der vorliegenden Anthologie unterscheidet sich wiederum, so daß eine weitere Überarbeitung anzunehmen ist ... Die Genji-Episode übrigens scheint aus der Zeitschrift Vostok (4.1924, 12-20) genommen zu sein. Eine hübsch dargebotene Sammlung, die auch für den Fachmann interessant sein wird.

Hartmut Walravens, Berlin



Latest update: 2005-08-18  Impressum

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